Dorfladen-Wissen

Ehrenamt im Roringer Dorfladen: Praktisch helfen, Nachbarschaft leben

Ohne bürgerschaftliches Engagement wäre der Dorfladen nicht denkbar. Ein Leitfaden zu Aufgaben, Einstieg und Rahmenbedingungen.

~50 Std./Woche
~40 Helfer
6+ Bereiche
Ehrenamt im Roringer Dorfladen: Praktisch helfen, Nachbarschaft leben

Ohne bürgerschaftliches Engagement wäre der Dorfladen nicht denkbar. In diesem Leitfaden erklären wir, welche ehrenamtlichen Aufgaben es gibt, wie der Einstieg funktioniert und welche Rahmenbedingungen gelten.

01 Warum Ehrenamt im Dorfladen wichtig ist

Ehrenamt und bezahlte Kräfte arbeiten im Dorfladen Hand in Hand: Eine Hauptkraft (40 Stunden/Woche) und mehrere Minijobberinnen geben die Grundstruktur vor. Freiwillige machen das volle Programm erst möglich, aktuell kommen sie zusammen auf circa 50 Stunden ehrenamtliche Arbeit pro Woche.

Die Wirkung ist dreifach:

  • Wirtschaftliches Überleben: Die Kosten des Ladens lassen sich nicht allein aus Verkäufen decken. Ehrenamtliche sparen Personalkosten und schaffen zusätzliche Einnahmen, etwa durch das Roringer Berg-Café und Veranstaltungen.
  • Soziale Funktion: Der Laden ist mehr als ein Geschäft. Ehrenamt schafft Treffpunkte, beugt Vereinsamung vor und hilft Neubürgerinnen und Neubürgern, sich schnell einzuleben.
  • Lebendiges Dorf: Grillabende, Waffeldienstag, Tortensonntag, Pizzaabend, Flohmarkt, all das gibt es nur, weil sich Menschen ehrenamtlich einbringen.
02 Wo wird Hilfe gebraucht?
Illustration: Ehrenamtliche im Café

Die Möglichkeiten gehen weit über Regale-Einräumen hinaus. Hier ein Überblick, aber es gibt sicher noch mehr, was wir noch gar nicht auf dem Schirm haben:

Café und Service
Im Café helfen Freiwillige beim Ausgeben von Getränken, Kuchen, Burgern und Pizza. Auch als zweite Kraft im Service, beim Tische vorbereiten, Spülmaschine und Aufräumen ist Hilfe willkommen.

Grill
Jede Woche wird ehrenamtlich gegrillt. Inklusive Vorbereitung und Reinigung sind das etwa vier bis fünf Stunden pro Einsatz.

Waffeldienstag
Der Dienstag ist komplett ehrenamtlich organisiert, von der Vorbereitung bis zum Abschluss. Eine größere Gruppe teilt sich die Aufgaben, man muss nicht jede Woche dabei sein. Pro Person sind das ungefähr drei Stunden. Wer sich für den Kassendienst interessiert, findet hier einen guten Einstieg: Die Dienstagsgruppe ist ein idealer Rahmen, um sich einzuarbeiten.

Laden: Wareneinräumen und Sauberkeit
Regale auffüllen, Lieferungen kontrollieren, MHD prüfen, Sauberkeit im Laden, alles Aufgaben, bei denen Unterstützung willkommen ist.

Zweite Kraft im Laden
Auch als zweite Person neben der bezahlten Kraft im Laden mitzuarbeiten ist denkbar. Das muss nicht jeden Tag sein, schon ein oder zwei Tage pro Woche schaffen neue Möglichkeiten und entlasten das bestehende Team.

Küche
In der Küche gibt es grundsätzlich immer Bedarf. Aktuell arbeiten freitags häufig bezahlte Kräfte, weil nicht genug ehrenamtliches Personal vorhanden ist. Hier kann Verstärkung einen echten Unterschied machen.

Illustration: Ehrenamtlicher am Grill

Handwerk, IT und Saisonales
Reparaturen, technische Aufgaben, im Winter Schneeschippen, solche Dinge fallen immer wieder an.

Eigene Ideen
Gesellschaftsspielenachmittag, Suppentag, ein Workshop, wer eine Idee hat, soll sie mitbringen. Im Dorfladen lässt sich vieles ausprobieren.

Der wichtigste Punkt: Jedes Können ist willkommen. Wenn jemand etwas kann oder gern macht, sollte das nicht unter den Tisch fallen. Einfach ansprechen, irgendwo lässt sich das bestimmt einsetzen.

03 Hygiene und Küche

Alle Torten und Speisen werden in der eigenen Dorfladenküche zubereitet, privat gebackene Kuchen werden nicht verkauft. Dank öffentlicher Fördermittel (BULE und LEADER) konnte eine professionelle, hygieneüberwachte Küche eingebaut werden.

Wer in der Küche mithelfen möchte, braucht eine Hygieneeinweisung. Für Ehrenamtliche ist das über die Stadt Göttingen kostenlos und kann komplett online absolviert werden. Der Aufwand liegt bei wenigen Stunden.

04 So funktioniert der Einstieg

Einen formalen Anmeldeprozess gibt es nicht. Der beste Weg: Einfach während der Öffnungszeiten oder zu den Café-Zeiten vorbeikommen und sagen: „Ich hätte Lust mitzumachen.“ Dann findet sich zusammen eine passende Aufgabe.

Illustration: Willkommen im Team

Natürlich geht es auch per Nachricht über das Kontaktformular oder per Anruf. Aber der direkte Weg in den Laden ist oft der einfachste.

Neue Ehrenamtliche werden nicht allein gelassen. Es ist immer jemand da, der die Abläufe zeigt. Und wichtig: Niemand steht je allein im Laden, es gibt immer Ansprechpartner vor Ort.

05 Wie viel Zeit muss ich mitbringen?

Es gibt keinen Mindesteinsatz. Manche helfen jede Woche, andere einmal im Monat, wieder andere nur bei bestimmten Aktionen. Alles davon ist wertvoll.

Ein typischer Ehrenamtseinsatz dauert etwa drei bis vier Stunden. Die Planung läuft über den Vorstand, der die Schichten vorschlägt. Man kann dann sagen, ob es passt oder nicht. Tauschen und Verschieben ist unkompliziert.

Ein wichtiger Punkt: Je größer das Ehrenamtsteam wird, desto leichter wird es für alle. Neue Helferinnen und Helfer entlasten die bestehenden Kräfte direkt. Wer dazukommt, macht es nicht nur für den Laden besser, sondern auch für die Leute, die schon dabei sind.

Wer im Urlaub ist oder eine Pause braucht, meldet sich einfach ab.

06 Vom GbR-Start zum Verein

Der Dorfladen startete im Jahr 2000 als GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts). Weil der Laden anfangs Verluste machte und die Mitglieder persönlich hafteten, wurde er 2002 in einen eingetragenen Verein (e.V.) umgewandelt. Der Unterschied ist wichtig: In einem Verein engagiert man sich für die Gemeinschaft, niemand profitiert privat. Das Engagement kommt dem ganzen Ort zugute. Genau das hat die Bereitschaft zum Ehrenamt im Dorf deutlich erhöht.

Gut zu wissen: Das komplexe Thema Versicherung

Das Thema Unfallversicherung für Ehrenamtliche ist rechtlich komplex. Zwar liegt die Arbeit des Dorfladens ganz klar im öffentlichen Interesse zur Sicherung der Daseinsvorsorge, jedoch hat die Stadt Göttingen in Verbindung mit dem Gemeindeunfallversicherungsverband Hannover (GUVH) offiziell klargestellt: Ein gesetzlicher Unfallversicherungsschutz über die Stadt Göttingen besteht für den Roringer Dorfladen nicht.

Da der Verein ein rechtlich eigenständiges Vorhaben ist und nicht unmittelbar im formalen Auftrag der Kommune handelt, fallen die Helfer aus der kommunalen Absicherung heraus. Stattdessen sind für Vereine wie unseren grundsätzlich die Berufsgenossenschaften (wie die VBG oder BGHW) zuständig. Es gibt in Niedersachsen zwar eine landesweite Rahmenversicherung über die VGH als Auffanglösung für nicht anderweitig versicherte Ehrenamtliche, diese ist jedoch streng nachrangig (subsidiär) und bietet qualitativ geringere Leistungen als der gesetzliche Schutz.

Weil diese Situation für Engagierte einen verwirrenden Flickenteppich darstellt, ist das Thema aktuell Gegenstand politischer Diskussionen. Wir planen dazu noch einen eigenen ausführlichen Artikel.

07 Was Ehrenamtliche davon haben

Formale Vergünstigungen wie Rabatte gibt es bewusst nicht, die Tätigkeit ist ehrenamtlich und nicht an eine Gegenleistung geknüpft. Dafür gewinnt man soziale Kontakte, viel Wertschätzung im Dorf und wird Teil eines echten Erfolgsprojekts, das unsere Nachbarschaft lebendig hält.

08 So fängt man an

Wer Interesse hat, kommt am besten einfach während der Öffnungszeiten oder zu den Café-Zeiten vorbei und spricht jemanden an. Alternativ geht auch eine kurze Nachricht über das Kontaktformular oder ein Anruf.

Jeder, der mithelfen möchte, wird auch gebraucht.

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